Chronik

Vom einfachen Freiluftschießstand zur modernen Schießsportanlage

Der Schützenverein Nammen wurde 1903 gegründet und entwickelte sich sehr schnell im Rahmen seiner damaligen Möglichkeiten.

Über Mitgliederzahlen, ein Vereinslokal und die schießsportlichen Anfänge sind aus dieser Zeit leider keine Unterlagen und Aufzeichnungen erhalten geblieben.

Das Bild stammt aus der Gründungszeit unseres Vereins

Aus mündlichen Überlieferungen älterer Schützenkameraden war zu erfahren, dass etwa ab 1910/12 im Bereich der Steinkuhle ein offener Schießstand existierte, auf dem mit 98er Gewehren geschossen wurde.

Etwa 1915/16 konnte im Bereich des Nammer Forstes in der “Röhte” ein erster fester Schießstand gebaut werden, der über mehrere Jahre den Schützen einen einigermaßen geordneten Übungsbetrieb erlaubte. Anfang der 30er Jahre begann der erste Aufbau des Schießstandes “Im Diekhoff”. Die benötigten Blenden wurden aus Innenteilen alter Bockschiffe erstellt.

Nach der Machtübernahme des NS-Regimes 1933 wurde der Schützenverein verboten und alles Inventar mit Geschäfts- und Protokollbüchern vernichtet. Die Vereinsfahne, die als die Schönste im ganzen Kreisgebiet galt, wurde ebenfalls verbrannt. Die vorhandenen Gewehre mussten der Deutschen Turnerschaft zur Verfügung gestellt werden.

1935 wurde der Schützenverein unter politischer Führung wieder zugelassen und bestand so bis zum Kriegsende. In dieser Zeit absolvierte auch die Hitlerjugend auf dem Schießstand ihr Übungsschießen. An Sportwaffen waren vorhanden, eine Diopta-Büchse, ein Infanteriegewehr und ein Kleinkalibergewehr. Nach dem 2. Weltkrieg kam der Schießsport in Nammen auf Grund von Erlässen der Besatzungsmächte erst einmal zum Erliegen.

Am 16.07.1949 trafen sich in der Gaststätte “Zur Quelle” einige der älteren Schützenkameraden, um den Schützenverein Nammen  erneut ins Leben zu rufen. Einen Tag später, am 17.07.1949, wurde der Eintrag ins Vereinsregister unter dem Namen Schützenverein ”Bergkette” Nammen beantragt. Die Vereinsführung übernahm als erster Vorsitzender nach dem Krieg, Heinrich Harre.

Da das Kleinkaliberschießen noch nicht wieder zugelassen war, wurde mit den Luftgewehren im Saal des Gründungs- und neuen Vereinslokals, geschossen. Die Erlaubnis zum KK-Schießen und zur Errichtung eines provisorischen Kleinkaliberstandes auf dem   Gelände im Walde “Röhte” wurde 1952 erteilt. Am 20.04.1952 nahm der Vorstand des Schützenvereins an der Wiedergründung des Schützenbundes “Weserbergkette” in Eisbergen teil.

Von nun an erlebte der Schießsport in Nammen einen starken Aufschwung. Im Jahr 1957 konnte mit dem Aufbau des KK-Schießstandes “Im Diekhoff” auf gepachtetem Grund begonnen werden. Die Standweihe erfolgte im September desselben Jahres. Gleichzeitig begann mit dem nun verstärkten Übungsbetrieb auch der schießsportliche Aufstieg des Vereins. Schon ein Jahr später konnte anlässlich des Bundesfestes in Nammen der erste von zahlreichen Bundessiegertiteln in Einzel- und Mannschaftswertung errungen werden.

Die Modernisierung der Schießsportanlagen war stetes Ziel der jeweiligen Vereinsführung. Im August 1964 begannen die Ausschachtungsarbeiten zum Bau eines unterirdischen KK-Schießstandes, der mit einer Eigenleistung von ca. 1700 Arbeitsstunden von den Vereinsmitgliedern erstellt wurde. Am 19. Mai 1965 war bereits die amtliche Freigabe der neuen Anlage. Einen Monat später, am 19. Juni, wurde zum Anlass des gemeinsamen Bundes- und Volksschützenfestes nach erneuter Standweihe der KK-Schießstand offiziell dem Verein übergeben. Im Jahre 1966 erfolgte dann der Beitritt zum Deutschen Schützenbund. Nachdem die Schützen das LG-Schießen über Jahre auf einem behelfsmäßigen Schießstand im Saal der Vereinsgaststätte “Zur Quelle” durchführten, begannen im Frühjahr 1968 die Ausschachtungsarbeiten für den Erweiterungsbau des KK-Standes und die Errichtung einer modernen Luftgewehr-Schießanlage. Die Einweihung erfolgte am 2. November 1968.

Das Jahr 1969 ist als besonderes Datum in der Vereinsgeschichte zu verzeichnen. Durch eine Satzungsänderung war der Weg frei für die Aufnahme weiblicher Vereinsmitglieder und die Aufstellung einer Damen-Schießgruppe. Gleichzeitig begann jetzt die verstärkte Nachwuchsförderung durch die Aufnahme von 10- bis 18jährigen Schülern und Jugendlichen.

Ein weiterer Meilenstein in der Vereinsgeschichte bildet das Jahr 1972. Zum Anlass des Bundesschützenfestes, das in Nammen stattfand, wurde am 14.05.1972 im Festzelt am Schießstand die neue Vereinsfahne, durch den stellv. Landrat Watermann, geweiht.

Dieses Bild entstand anlässlich der Fahnenweihe im Jahre 1972

Ein steter Aufschwung auf dem schießsportlichen Sektor war in den folgenden Jahren zu verzeichnen, der vornehmlich aus der guten Jugendarbeit resultierte. So errang die Jugend in den vergangenen Jahren mehrere Kreismeistertitel und nahm an verschiedenen Bezirks- und Landesmeisterschaften teil.

Als im Jahre 1977, nach vielen Verbesserungen, Modernisierungen und Erweiterungen des Schießstandes und des Klubraumes, das bis dahin gepachtete Grundstück käuflich erworben werden konnte, zögerten die Vereinsführung und  Mitglieder nicht. Um die Finanzierung für den Kauf des Grundstückes zu gewährleisten, gingen einige Mitglieder sogar eine Bürgschaft mit ihrem persönlichen Vermögen ein. Somit war der Schützenverein Nammen fortan unabhängiger und selbstständiger Eigentümer der Vereinsanlagen.

Der Verein entwickelte sich in den folgenden 20 Jahren sowohl in sportlicher wie auch in gesellschaftlicher Form zu einem im Schützenkreis Minden und über dessen Grenzen hinaus hervorragenden Leistungsträger des Schießsportes.

In der Mitte der 90er Jahre erlebte der Verein aufgrund einer guten Jugendarbeit einen rasanten Zulauf an Jugendlichen. Innerhalb nur eines Jahres konnte der Mitgliederstand von 2 passiven Jugendlichen auf 24 aktive Jungschützen erhöht werden. Dies machte zu jenem Zeitpunkt fast 1/3 des gesamten Mitgliedsbestandes aus. Ein Jahr später waren bereits über 30 Jugendliche Mitglied im Schützenverein.

Im Jahr 1998 beschloss der Verein einen umfassenden An- und Umbau des Vereinshauses. So sollten endlich die sanitären Anlagen ins Vereinsheim verlagert werden. Bislang musste ein Gang um das Gebäude in einen separaten Anbau in Kauf genommen werden. Auch der  Aufenthaltsraum war durch den Zulauf der Jugendlichen viel zu klein geworden und musste dringend vergrößert werden. Im Außenbereich sollte das Gebäude vollständig verklinkert werden.

Den Plänen folgten Taten, und so wurde im Frühjahr 1999 mit den Baumaßnahmen begonnen. Über 90% der Arbeiten wurden in Eigenleistung erbracht. Nach ca. einem Jahr konnte der Verein schließlich durch umfangreiche Baumaßnahmen stolz auf ein vollkommen umgestaltetes Vereinsheim blicken.

Das wohl herausragendste Ereignis war im Jahr 2003 das 100jährige Bestehen des Vereins. So konnte am    06.10.2003 nach intensiver und knapp einjähriger Planung ein hervorragendes Jubiläumsfest gefeiert werden. Die Beteiligung der benachbarten Schützen-, Sport- und Ortsvereine war hervorragend. Unter den Ehrengästen konnten viele Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Sport begrüßt werden. Unter anderem erschienen die stellv. Landrätin Frau Härtel und der Vizepräsident des Westfälischen Schützenbundes Herr Ehlert. Dieser überbrachte den Ehrenteller des WSB und die Ehrenplakette des Deutschen Schützenbundes.

Dies ist ein kurzer Ablauf unser über 100jährigen Vereinsgeschichte, die hoffentlich auch in der Zukunft durch engagierte Mitglieder weiter getragen und komplettiert wird.

 

Die Vorsitzenden des Vereins ab 1949

1949 – 1951 Heinrich Harre

1951 – 1956 Fritz Reineke

1956 – 1959 Wilhelm Köker

1959 – 1967 Gerdhard Stahlhut

1967 – 1969 Eduard Lichte

1969 – 1981 Gerhard Stahlhut

1981 – 1988 Karl Feldkötter

1988 – 1989 Gerhard Stahlhut

1989 – 2002 Bernd Back

2002 –          Jörg Rudolph

Diese Chronik erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit.

Wer weitere Informationen über die Vergangenheit des Vereins oder evtl. Verbleib von historischen Schriftstücken oder Bilder besitzt, kann uns diese über den Vereinsvorstand zukommen lassen.

Ansprechpartner sind: Jörg Rudolph (0177- 3302675), Willi Schlötel (0571-71788) oder Rüdiger Bruns (0571-70623)